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Epochen der Theologie

    Die Theologische Fakultät war bei der Gründung der Universität im Jahr 1386 gleichsam deren Urzelle. Das entsprach dem Wesen der mittelalterlichen Universität, die aus der Beschäftigung mit Problemen des Glaubens und des Kirchenrechts entstanden war. Es wurden Vorlesungen zur biblischen Exegese und systematische Vorlesungen gehalten. Dazu kamen als wichtiger Bestandteil des Lehrplans die scholastischen Disputationen, eine Schulung in scharfsinniger Argumentierkunst. Wer die bis zur Doktorpromotion nach dem Erwerb des Magister Artium noch erforderlichen zwölf Jahre hindurch diesen Unterricht empfangen hatte verfügte über eine Fülle von Wissen und über eine wohlgeübte apologetische Geschicklichkeit. Das Ziel des Theologiestudiums war eine wissenschaftliche Fertigkeit nicht eine Berufsausbildung. Pfarrer oder Priester konnte man auch ohne Studium werden. Die von Martin LUTHER und Philipp MELANCHTHON eingeleitete Erneuerung der Kirche hat auf Dauer auch in Heidelberg zu einer Neugestaltung der Universität besonders der Theologischen Fakultät geführt. Das Ziel des Theologiestudiums war nunmehr die Schriftauslegung: das Bibelwort sollte an den ursprachlichen Quellen vernommen und für die Gegenwart in die Gestalt klarer einprägsamer Lehre gebracht werden. Eine Frucht des neugestalteten Theologiestudiums war der Heidelberger Katechismus von 1563. Die grundlegende Neuordnung der Universität im Jahre 1803 durch Kurfürst KARL FRIEDRICH leitete auch für die Theologische Fakultät die neue Epoche einer historisch religionswissenschaftlichen  Theologie ein. Mit Richard ROTHE fand die Fakultät eine führende Persönlichkeit, deren wissenschaftliche Arbeit darauf gerichtet  war, verkrustete kirchliche Formen in eine freie, individuelle Religiosität zu übersetzen und ein von sittlichen Ideen bestimmtes Volks und Staatsleben religiös zu  begründen. Ernst TROELTSCH durchdachte die theologischen Folgen einer Einordnung des Christentums in den Fluß der allgemeinen Religionsgeschichte. In biblischer Hinsicht entwarf vor allem Martin DIBELIUS eine Formgeschichte des Evangeliums (1919) als Programm für eine neue, fruchtbare Periode neutestamentlicher Arbeit.

Die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur führte am Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer Erneuerung der Theologischen Fakultät aus den Erfahrungen des Kirchenkampfes im Dritten Reich.

Erneuerung nach 1945

Theologen der Bekennenden Kirche wie Gerhard von RAD, Günter BORNKAMM, Hans von CAMPENHAUSEN,  Edmund SCHLINK oder Wilhelm HAHN bauten die Theologische Fakultät in Heidelberg völlig neu auf. Seitdem genießt sie national und international wieder einen hervorragenden Ruf. Ihre Schwerpunkte liegen gegenwärtig in biblischer Theologie, in historischer, ökumenischer, diakoniewissenschaftlicher sowie religionsphilosophischer Forschung. Die Fakultät unterhält Partnerschaften zu den Universitäten Montpellier, Budapest, Prag und Straßburg.

Theologie ist die wissenschaftliche Selbstprüfung und Verantwortung der Inhalte und Vollzugsformen des christlichen Glaubens hinsichtlich ihrer Identität, Wahrheit und Relevanz für das individuelle, kirchliche und gesellschaftliche Leben.
 

Idee und Aufbau des Studiums

Gegenstand der Theologie sind die Aussagen über Gott, Welt und Mensch in ihrer untrennbaren Bezogenheit aufeinander. Die Theologie reflektiert diese Aussagen im Kontext einer pluralistischen Situation und in Auseinandersetzung mit den kritischen Anfragen seitens anderer Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen und der Religionskritik.

Im Zentrum der wissenschaftlichen Ausbildung steht die intensive Beschäftigung mit den biblischen Texten in ihrer Ursprache. Das erfordert in den exegetischen Disziplinen gründliche philologische und theologische Arbeit an den biblischen Texten sowie die Beschäftigung mit der Umwelt des Alten und des Neuen Testaments. Wesentlicher Bestandteil des Theologiestudiums ist die Kirchen- und Auslegungsgeschichte. Nur wer die wichtigsten, in der Geschichte gefallenen Auslegungsentscheidungen kennt, kann nachvollziehen, aus welchen Gründen der christliche Glaube bestimmte Ausprägungen angenommen hat. Mit der Frage nach der Tragfähigkeit und Relevanz des christlichen Glaubens beschäftigt sich die Systematische Theologie mit ihren Kernfächern, wie Dogmatik (Glaubenslehre) und Ethik sowie die Ökumenische Theologie, die Religionsgeschichte, die Missionswissenschaft und schließlich die Religionsphilosophie, die eben nicht vom Glauben, sondern vom Denken ihren Ausgang nimmt. Die Praktische Theologie hat die Aufgabe, wissenschaftlich zu reflektieren, wie christlicher Glaube heute in Gottesdienst und Seelsorge, in Unterricht, Diakonie und Gemeindeaufbau angemessen zu öffentlichem Ausdruck und zu wirkungsvoller Gestalt gebracht werden kann.

(Quelle: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Aus Traditon in die Zukunft, Heidelberg 1998)

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