Die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur führte am Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer Erneuerung der Theologischen Fakultät aus den Erfahrungen des Kirchenkampfes im Dritten Reich.
Theologen der Bekennenden Kirche wie Gerhard von RAD, Günter BORNKAMM, Hans von CAMPENHAUSEN, Edmund SCHLINK oder Wilhelm HAHN bauten die Theologische Fakultät in Heidelberg völlig neu auf. Seitdem genießt sie national und international wieder einen hervorragenden Ruf. Ihre Schwerpunkte liegen gegenwärtig in biblischer Theologie, in historischer, ökumenischer, diakoniewissenschaftlicher sowie religionsphilosophischer Forschung. Die Fakultät unterhält Partnerschaften zu den Universitäten Montpellier, Budapest, Prag und Straßburg.
Theologie ist die wissenschaftliche Selbstprüfung und Verantwortung der Inhalte und Vollzugsformen des christlichen Glaubens hinsichtlich ihrer Identität, Wahrheit und Relevanz für das individuelle, kirchliche und gesellschaftliche Leben.
Gegenstand der Theologie sind die Aussagen über Gott, Welt und Mensch in ihrer untrennbaren Bezogenheit aufeinander. Die Theologie reflektiert diese Aussagen im Kontext einer pluralistischen Situation und in Auseinandersetzung mit den kritischen Anfragen seitens anderer Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen und der Religionskritik.
Im Zentrum der wissenschaftlichen Ausbildung steht die intensive Beschäftigung mit den biblischen Texten in ihrer Ursprache. Das erfordert in den exegetischen Disziplinen gründliche philologische und theologische Arbeit an den biblischen Texten sowie die Beschäftigung mit der Umwelt des Alten und des Neuen Testaments. Wesentlicher Bestandteil des Theologiestudiums ist die Kirchen- und Auslegungsgeschichte. Nur wer die wichtigsten, in der Geschichte gefallenen Auslegungsentscheidungen kennt, kann nachvollziehen, aus welchen Gründen der christliche Glaube bestimmte Ausprägungen angenommen hat. Mit der Frage nach der Tragfähigkeit und Relevanz des christlichen Glaubens beschäftigt sich die Systematische Theologie mit ihren Kernfächern, wie Dogmatik (Glaubenslehre) und Ethik sowie die Ökumenische Theologie, die Religionsgeschichte, die Missionswissenschaft und schließlich die Religionsphilosophie, die eben nicht vom Glauben, sondern vom Denken ihren Ausgang nimmt. Die Praktische Theologie hat die Aufgabe, wissenschaftlich zu reflektieren, wie christlicher Glaube heute in Gottesdienst und Seelsorge, in Unterricht, Diakonie und Gemeindeaufbau angemessen zu öffentlichem Ausdruck und zu wirkungsvoller Gestalt gebracht werden kann.
(Quelle: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Aus Traditon in die Zukunft, Heidelberg 1998)
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